Die Meerschweinchen-Kastration: Alle Fakten und Infos

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Wer Meerschweinchen hält muss sich fast immer auch mit dem Thema Kastration bzw. Sterilisation auseinandersetzten. Meerschweinchen vermehren sich sehr schnell. Nach einer kurzen Tragzeit von 59 – 72 Tagen sind sie direkt nach der Geburt wieder empfängnisbereit. Hält man weibliche und männliche Tiere zusammen, ist das Thema Kastration unabdingbar.

Meerschweinchen Kastrat

Bildcredit: Pixabay.com – Livia Novakova

Hält man nur Weibchen zusammen, braucht man sich um Kastration bzw. Sterilisation der Tiere keine Gedanken machen. Hält man jedoch einen Meerschweinchen-Harem oder eine Böckchen-Gruppe, ist die Kastration ein Thema.

Kastration bei Haremshaltung

Bei der Haremshaltung sollte man das Böckchen kastrieren. Ansonsten kann es schnell zu unkontrollierter Vermehrung kommen, der man insbesondere als unerfahrener Halter nicht mehr Herr wird. Da man bei dieser Form der Haltung immer mehrere Weibchen mit einem oder wenigen Männchen hält, macht es mehr Sinn die Männchen zu kastrieren, auch weil die Kastration des Böckchens einfacher und weniger risikoreich ist als bei Meerschweinchen-Weibchen.

Meerschweinchen-Weibchen entfernt man in der Regel nur die Eierstöcke und Gebärmutter, wenn es medizinisch notwendig ist. Eine Ovariohysterektomie (Entfernung der Eierstöcke und Gebärmutter) kann zum Beispiel im Fall eines Tumors oder einer Entzündung nötig werden.

Kastration bei Böckchen-Haltung

Auch bei der Haltung von ausschließlich männlichen Meerschweinchen kann eine Kastration sinnvoll sein. Häufig wird als Prävention kastriert, da sich Böckchen untereinander manchmal nach einiger Zeit nicht mehr verstehen. Die Kastration bewirkt, dass die Tiere ruhiger werden und Zoff untereinander so erst gar nicht entsteht. Verstehen sich die Tiere bereits nicht mehr, macht eine nachträgliche Kastration jedoch keinen Sinn. In der Regel können die Tiere dann nur noch getrennt werden und mit jeweils anderen Meerschweinchen wieder vergesellschaftet werden.

Auch wenn Böckchen gegebenenfalls nicht immer in einer Bockgruppe verbleiben sollen oder können, ist eine Kastration sinnvoll. Mit zunehmendem Alter wird von Kastrationen abgesehen. Daher wird, wenn das Tier nicht kastriert ist, dem Tier im Alter verwehrt sich mit Meerschweinchen-Weibchen zu vergesellschaften. Mehr über das Leid von unkastrierten Böckchen hier.

Unterschied Kastration und Sterilisation

Lässt man sein Tier kastrieren, werden beim Böckchen die Hoden und beim Weibchen die Eierstöcke entfernt. Bei der Sterilisation werden lediglich die Geschlechtsdrüsen – Hoden und Eierstöcke – abgebunden oder durchtrennt. Die Sterilisation wird in der Tiermedizin so gut wie nicht angewendet. Meerschweinchen, sowohl Männchen als auch Weibchen (diese nur in Ausnahmefällen), werden somit in der Regel kastriert.

Kosten und Ablauf einer Kastration

Eine Kastration kostet je nach Tierarzt um die 20 Euro – 60 Euro. Bei der Kastration entfernt der Tierarzt dem Böckchen die Geschlechtsdrüsen, also die Hoden. Dazu bekommt das Tier eine Betäubung. Die Operation dauert ca. 20 Minuten.

Wie ein Meerschweinchen für die Kastration vorbereitet wird, seht ihr in folgendem Video:

Nach der Operation wird das Meerschweinchen noch ca. 2 Stunden etwas benommen von der Narkose sein. Ist alles gut verlaufen, sollte das Tier dann aber wieder fressen und sich normal verhalten. 8-10 Tage nach der OP müssen die Fäden gezogen werden.

Was muss ich nach der Kastration beachten?

Die Nähte sollten nach der Operation beobachtet und kontrolliert werden, da sich ab und an Abszesse bilden können. Auch kann es passieren, dass das Meerschweinchen an den Fäden nagt und diese aufgehen. Dann sollte unbedingt wieder der Tierarzt aufgesucht werden.

Damit keine Entzündungen durch Einstreu entstehen sollte der Kastrat außerdem bis zur Abheilung der Kastrationsnarbe lieber auf alten Decken oder Laken gehalten werden.

Nach der Kastration muss der Kastrat eine Kastrationsfrist von 6 Wochen absitzen, in der er nicht zu den Weibchen darf, da der Kastrat in dieser Zeit noch zeugungsfähig ist. Dies ist häufig ein Nachteil, da das Tier möglicherweise alleine sitzen muss, wenn kein kompatibles männliches Tier gefunden wird. Daher kann die Frühkastration eine Alternative sein.

Frühkastration: Ja oder nein?

Die Frühkastration wird vor Eintritt der Geschlechtsreife durchgeführt, was im Alter von 3 bis 6 Wochen der Fall ist. Außerdem wird bei der Frühkastration auf das Gewicht der Meerschweinchen geachtet. Dies sollte bei 250 bis 300 Gramm liegen. Vorteil der Frühkastration ist, dass die Tiere nicht mit Eintritt der Geschlechtsreife von den Weibchen getrennt werden müssen oder während der Kastrationsfrist in Einzelhaltung leben müssen. Insbesondere für Notstationen ist dies ein großer Vorteil, da das Umsetzen der Männchen sowohl logistische als auch soziale Herausforderungen mit sich bringt.

Warum sollte man bei älteren Meerschweinchen von einer Kastration absehen?

Bei älteren Meerschweinchen rät man jedoch meist von einer Kastration ab. Die Narkose stellt immer ein Risiko bei der Kastration dar. Bei älteren Tieren steigt das Risiko die Narkose nicht zu vertragen und zu sterben.

 

Bildcredit: Pixabay.com – Livia Novakova